Kissing Spines bei deinem Pferd: was nun?
Kissing Spines ist eine häufig genannte Ursache für Probleme bei Reitpferden. Doch was genau ist das eigentlich, und welche Konsequenzen hat die Diagnose „Kissing Spines“? Wie kannst du ein Pferd mit Kissing Spines unterstützen und managen? Und ist Reiten nach dieser Diagnose noch möglich?
Gelenke
Magnesium
Silizium
3 Februar '26 • 5 Min Lesezeit
Der Begriff „Kissing Spines“ sorgt bei Pferdebesitzern regelmäßig für viel Verwirrung und oft auch für große Sorgen. Vor einigen Jahren galt die Diagnose „Kissing Spines“ meist als das Ende der aktiven Karriere eines Pferdes. Inzwischen wissen wir mehr – aber noch längst nicht alles – über diese Rückenveränderung.
Küssende Wirbel?
Zunächst zur Bezeichnung. „Kissing Spines“ bedeutet wörtlich „küssende Wirbel“. Dieser Name lässt vermuten, dass die Wirbel des Pferdes zu dicht beieinanderstehen. Das ist jedoch nicht der Fall: Gemeint sind die Dornfortsätze der Wirbel. Beim Menschen sind diese sehr kurz, Pferde hingegen haben deutlich längere Dornfortsätze. Du kannst sie fühlen, wenn du mittig über den Rücken deines Pferdes streichst. Die kleinen Erhebungen, die du spürst, sind die Spitzen dieser Fortsätze; die eigentlichen Wirbelkörper liegen viel tiefer im Körper. Die langen Dornfortsätze können teilweise sehr dicht beieinanderliegen und sich dadurch berühren – manchmal dauerhaft, manchmal nur bei bestimmten Bewegungen, etwa beim Durchdrücken des Rückens.
Was passiert bei Kissing Spines?
Wenn sich die Dornfortsätze (zeitweise) berühren, kann dies zu Reizungen des Knochens führen. Dadurch können Entzündungen, Schmerzen und schließlich auch Knochenveränderungen entstehen. Auch die Ansatzstellen der Bänder rund um die Dornfortsätze können gereizt werden. Über die genaue Ursache von Kissing Spines wird viel diskutiert. Der Körperbau des Pferdes spielt eine große Rolle, und falsches Training oder ein schlecht passender Sattel können die Situation verschlimmern. Es gibt jedoch auch Pferde, die nie geritten wurden und trotzdem Kissing Spines haben. Die natürliche Körperform ist also von großer Bedeutung. Auch die Qualität des Knochenaufbaus in der Jugend eines Pferdes hat großen Einfluss darauf, wie sich das Skelett entwickelt. Das gilt nicht nur für Kissing Spines, sondern beispielsweise auch für OCD. Ein gesundes Skelett beginnt mit einer Aufzucht mit hochwertigem Futter, ausreichend Mineralstoffen (insbesondere Silizium) und vor allem sehr viel freier Bewegung für das heranwachsende Pferd.
Kissing Spines vorhanden – aber kein Problem?
Bei Pferden gibt es enorm viele Variationen im Skelettbau. Auch leichte Formen von Kissing Spines sind auf Röntgenbildern sehr häufig zu sehen. Das erschreckt viele Pferdebesitzer verständlicherweise. Doch Vorsicht: Es gibt einen Unterschied zwischen dem, was man auf einem Bild sieht, und dem, was das in der Praxis bedeutet. Tierärzte sprechen hier von der „klinischen Relevanz“. Der erste Schritt ist, dass Kissing Spines auf dem Röntgenbild sichtbar sind. Danach muss geklärt werden, ob diese Veränderungen tatsächlich auch Beschwerden verursachen (klinische Symptome). Das ist nämlich längst nicht immer der Fall oder nur unter bestimmten Umständen. Nicht jede Veränderung der Dornfortsätze ist schmerzhaft oder führt automatisch zu Rückenproblemen. Häufig muss weiter untersucht werden, um auszuschließen, dass nicht (auch) Lahmheiten der Gliedmaßen vorliegen. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass Rückenschmerzen häufiger auftreten, wenn die röntgenologischen Veränderungen der Dornfortsätze ausgeprägter sind. Außerdem treten Rückenschmerzen bei Pferden mit veränderten Dornfortsätzen häufiger auf, wenn zusätzlich eine (subtile) Lahmheit, Arthrose der Facettengelenke oder Arthrose des ISG vorliegt. Sehr oft handelt es sich also um eine Kombination mehrerer Probleme. Ein Pferd mit Beinschmerzen wird sein Bewegungsmuster anpassen, um die Schmerzen zu vermeiden, und kann dadurch wiederum Rückenprobleme entwickeln. Wenn in einem solchen Fall nur eine Rückenaufnahme gemacht wird und dort leichte Kissing Spines zu sehen sind, sind diese nicht die ursprüngliche Ursache des Problems – und man löst es nicht, indem man sich ausschließlich auf den Rücken konzentriert.
Behandlung von Rückenschmerzen bei Kissing Spines
Ein Pferd mit Kissing Spines zeigt bei bestimmten Bewegungen, Handlungen oder im Training Schmerzen. Diese sind manchmal schwer zu erkennen und können sehr subtil sein. Das Pferd kann zum Beispiel Unbehagen beim Satteln zeigen oder beim Biegen oder Angaloppieren Probleme haben. Rückenprobleme äußern sich oft auch darin, dass das Pferd sich nicht gut an die Hand heran dehnen möchte. Auch beim Putzen können Anzeichen von Rückenschmerzen auffallen. Verweigern, Buckeln oder Durchgehen können ebenfalls Hinweise auf Rückenschmerzen sein. Wenn dein Pferd Rückenschmerzen hat und auf den Röntgenbildern Kissing Spines zu sehen sind, sollten zunächst auch andere Probleme und Lahmheiten ausgeschlossen werden. Anschließend kann eine Behandlung begonnen werden, die meist mit der Linderung der Schmerzen startet. Der Tierarzt kann entzündungshemmende Medikamente lokal in den Rücken injizieren; außerdem gibt es Infusionen, die die Knochenneubildung unterstützen. Häufig wird auch Mesotherapie empfohlen, um die Muskelspannung rund um den Rücken zu senken und die Schmerzen zu reduzieren. Sobald die Schmerzen nachlassen, ist Bewegung wieder wichtig. Der Rücken deines Pferdes muss lernen, sich wieder korrekt zu bewegen, und die Kompensationsmuster, die sich zur Schmerzvermeidung entwickelt haben, müssen durchbrochen werden. Spezialisten wie Physiotherapeuten oder Chiropraktiker können hierbei helfen. Achte außerdem auf einen gut passenden Sattel und einen ausbalancierten, nicht zu schweren Reiter. Dein Pferd muss lernen, die Bauchmuskulatur anzuspannen: Dadurch wölbt sich der Rücken, und die Dornfortsätze entfernen sich in der Bewegung voneinander, sodass sie sich nicht mehr berühren. Dein Tierarzt oder Physiotherapeut kann dir zudem Dehnübungen für dein Pferd zeigen. Behalte mögliche weitere Lahmheiten immer im Blick, damit dein Pferd nicht erneut beginnt zu kompensieren.
Unterstützung bei Kissing Spines
Für den Aufbau von Knochen sowie aller Strukturen, die das Skelett stabilisieren – wie Bänder und Sehnen –, ist Silizium ein sehr wichtiges Mineral. Gut verfügbares, hydrolysiertes Silizium kann als Ergänzung über das Futter gegeben werden. Silizium regt die körpereigene Glucosaminbildung an und wirkt von außen nach innen. Um einen Effekt auf die Knochen selbst zu erzielen, sollte dieses Supplement mindestens drei bis sechs Monate gefüttert werden. Wenn dein Pferd keine Rückenschmerzen mehr hat und das Bewegungstraining wieder aufgebaut werden kann, ist es sinnvoll, zusätzlich den Muskelaufbau zu fördern. Die Muskulatur soll langfristig einen großen Teil der tragenden Funktion übernehmen, damit das Skelett entlastet wird. Gute Muskelentwicklung basiert auf richtigem Training und den passenden Nährstoffen. Besonders wichtig sind hierbei Aminosäuren, Magnesium und Vitamin E. Hat dein Pferd gelegentlich noch leichte Schmerzen, kannst du eine Unterstützung mit einem Extrakt aus der Nelkenpflanze in Betracht ziehen. Dieser wirkt schmerzlindernd und entzündungshemmend.